Von Erwartungen immer mehr zum ICH

Meine Geschichte

 

Geboren wurde ich 1969 mitten im Ruhrgebiet, wo ich auch die Hälfte meines Lebens verbrachte.

Meinen Ehemann lernte ich 1995 kennen worauf ins Bergische Land umzog. Wir wurden Eltern von drei wundervollen Kinder. 

Bis zur Krebsdiagnose meines Mannes im Jahr 2011, die für uns alle einen massiven Einschnitt in unserem Familienleben bedeutete, haben wir weiterhin gemeinsam unseren Handwerkerbetrieb geführt und erfolgreich ausgebaut. In den folgenden Jahren funktionierten wir als Familie zwischen Firma, Alltag und Krankenhaus, bis sich 2017 mit dem Tod meines Mannes alles veränderte. Neben meinem und dem Schmerz meiner Kinder, musste ich mich auch, mit den Erwartungen anderer auseinandersetzten und der Frage;

Wer bin ich mit dem Titel; Witwe?

Meine Überforderung und die überwältigende Flut von Millionen Fragen wurden Antriebskräfte hinter einer holprigen Reise, die ich unternommen habe. Es wurde ein Abenteuer voller Entschlossenheit, das mir auf verschiedenen Ebenen tiefe Einsichten und persönliche Antworten brachte. Während dieser Reise habe ich lernen müssen meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu überwinden, und ich habe einen tieferen Einblick in mein Inneres gewonnen. Jeder Schritt auf diesem Weg war eine Gelegenheit zur Selbstreflexion und zur Entdeckung neuer Aspekte meiner Persönlichkeit. Letztendlich führte diese Reise dazu, dass ich erkennen musste, wie sehr ich einem nicht gelebtem Leben hinter trauerte.

 

 

Heute begleite ich Trauer.

Ich gebe ihre Stimme zurück und ihre Funktion.

 

 

Weißt du, für mich ist Trauer allgegenwärtig.

Ich höre sie in Gesprächen, auch wenn es eigentlich um ganz normalen Dinge geht. 

Manchmal liegt darüber so eine Unruhe. Dieses Gefühl, dass etwas geklärt werden müsste, dass man nicht stehen bleiben darf.

Das ist oft die Angst. 

 

Ich habe mit der Zeit verstanden, dass sich das sehr ähnlich anfühlen kann und doch etwas völlig anders ist. 

Angst will, dass ich mich entscheide, das ich etwas tue, etwas löse. 

Trauer will das nicht. 

Trauer will gefühlt werden. Wenn ich mir das erlaube, wird es ruhiger. Nicht umbedingt leichter, aber ehrlicher. 

 

  

Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, bist du willkommen, mit allem, was gerade da ist.

 

Kerstin Lilienthal 

DunkeLicht-Trauer-Atelier